Wo die Götter Urlaub machten

Der gespenstisch leere Stadtteil Varosha in Famagusta –

Zypern hat viele Gesichter. Unter ihnen sind auch große Namen der griechischen Götterwelt. Beispielsweise ist es die Insel der Aphrodite. Die Schöne entstieg hier dem schäumenden Meer, weshalb sie die „Schaumgeborene“ genannt wird. Aber auch Zeus verbindet man mit Zypern, immerhin der oberste olympische Gott der griechischen Mythologie und mächtiger als alle anderen griechischen Götter zusammen. Wer schon einmal auf dieser zauberhaften Insel war, lernt schnell all die Mythen und Märchen, denn diese werden hier sehr gut gepflegt.

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Varosha ist eigentlich ein Stadtteil von Famagusta und war ein beliebter Ferienort am Strand auf Zypern. 40.000 Menschen lebten hier einst, doch seit 1974 ist der Ort militärisches Sperrgebiet. Gebaut wurde die Anlage in den 1960er-Jahren. Damals entwickelte sich gerade der Massentourismus auf der wunderschönen Insel.

Am konsequentesten tat er das in Varosha, wo der Sand besonders fein und das Wasser besonders warm und azurblau ist. Mehr als 100 Hotels und Apartmenthäuser, 21 Banken, 24 Theater und Kinos sowie rund 3000 kleinere und größere Läden zählte der Ort in seinen besten Tagen. Es war quasi die Côte d’Azur Zyperns: Elizabeth Taylor saß hier unterm Sonnenschirm und Sophia Loren hatte eine Villa am Strand.

Wir haben uns diesen „Lost Place“ einmal näher angeschaut. Ja, die Szene wirkt wirklich makaber und leicht gespenstisch. Das Pfeifen des Windes in den leerstehenden Gebäuden erinnert vielleicht etwas an „The Walking Dead“, eine US-amerikanische Kult-Fernsehserie, deren Geschichte von einer kleinen Gruppe Überlebender nach einer weltweiten Zombie-Apokalypse handelt. Doch dem ist nicht so.

Es ist schon so ein wenig surreal. Nur wenige Kilometer östlich des pulsierenden Lebens der Hauptstadt verfällt eine Ferienanlage gigantischen Ausmaßes, die seit der türkischen Invasion des nördlichen Teils der Insel den Dornröschenschlaf schläft. Aber das soll nicht so bleiben.

Seit fast 20 Jahren kämpfen nun Einheimische für die Wiedereröffnung dieses Touristenviertels. Gemeinsam mit türkisch- und griechisch-zyprischen Kulturfreunden wurde die „Famagusta Initiative“ gegründet. Sie wollen zumindest eine Art „Zypernlösung light“ für ihre Region: die Öffnung von Varosha. Denn eine politische Lösung für die gesamte Insel liegt momentan in weiter Ferne.

Aktueller Bericht von Galileo (Pro7)
Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=jbC5Jjafa14

Gastautor: Holger W.Sitter

durch Varosha mit dem Touristenbus

Kerstin

Kerstin Moseler

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